100. Geburstag von Sophie Scholl

Sophia Magdalena „Sophie“ Scholl war eine Studentin und Wiederstandkämpferin gegen den Nationalsozialismus. Wegen ihres Engagements in der „Weißen Rose“ wurde sie zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Heute wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden.

Die Mitglieder der „Weißen Rose“ riefen in Flugblättern zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf. Sie legten sie in Telefonzellen und parkende Autos und verteilten sie an Kommilitonen. Im Januar 1943 war Sophie Scholl erstmals an der Herstellung eines Flugblattes beteiligt. Aufgrund des steigenden Aufsehens wurden die Ermittlungen nach den Urhebern der Flugblätter intensiviert. Mitte Februar vermutete die Gestapo die Autoren der Flugblätter in Münchner Studentenkreisen. Nur wenige Tage später wurden Sophie Scholl und ihr Bruder Hans bei einer Flugblattaktion an der Münchner Universität, bei der sie ca 1700 Flugblätter verteilten, entdeckt und kurz darauf von der Gestapo festgenommen. Die Geschwister Scholl wurden tagelang verhört. Wie sich aus dem Vernehmungsprotokoll ergibt, versuchte Sophie Scholl ihre Freunde zu schützen und stellte sich und ihren Bruder als Hauptakteure dar. Am 22. Februar wurde Sophie Scholl zum Tode verurteilt und noch am selben Tag enthauptet. Der damalige Scharfrichter äußerte später, er habe noch nie jemanden so tapfer sterben sehen wie Sophie Scholl.

Im Jahr 2019 hat das Landestheater Oberpfalz die Geschichte der „Weißen Rose“ in der Regie von Doris Hofmann auf die Bühne gebracht. Antonia Striegan hat damals die Rolle der Sophie Scholl übernommen. Wir haben uns deshalb mit Antonia über Sophie Scholl unterhalten.

 

Antonia, du hast damals Sophie Scholl gespielt. Was war dein erster Gedanke, als du gehört hast, dass du die Rolle übernehmen sollst?

Bevor das Ensemble der „Weißen Rose“ ganz feststand, haben wir schon viel ausprobiert, hatten Leseproben und haben Szenen angespielt, also wusste ich gut, was auf mich zukommt. Ich habe mich einfach gefreut, dass Doris [Hofmann, die Regisseurin] mir die Sophie Scholl zutraut. Gleichzeitig hatte ich großen Respekt vor der Rolle, aber gerade deshalb war ich auch gespannt auf den Erarbeitungsprozess.

 

Sophie Scholl ist eine wichtige Persönlichkeit. Hast du sie und ihre Story nochmal nachgelesen, bevor ihr mit den Proben begonnen habt?

Die wichtigsten geschichtlichen Fakten habe ich mir vorher nochmal angeschaut. Ganz viel habe ich aber während der Proben gelernt. Wir hatten eine intensive Probenzeit und haben uns gemeinsam richtig in das Thema eingearbeitet. Im Stück liegt der Fokus darauf, wie die „Weiße Rose“ zusammengefunden hat, wie die Mitglieder als Menschen waren, welche Ängste und Wünsche und Hoffnungen sie hatten. Das sind ganz andere, spannende und berührende Blickwinkel, aus denen ich die Geschichte davor noch nicht gesehen hatte.

 

Du bist ganz anders aufgewachsen als Sophie – viel moderner wahrscheinlich. Kannst du sie trotzdem verstehen?

Insofern, als dass Sophie Scholl auch eine junge Frau war, die gerade dabei war, ihren Lebensweg zu finden, die die Zeit mit ihren Freunden genossen hat und  Träume hatte – ja. Was alles andere betrifft, nein. Ich glaube nicht, dass man sich in irgendjemanden, der in diesen Umständen gelebt hat, hineinversetzen kann, wenn man in meiner Generation aufgewachsen ist.

Vor einigen Monaten gab es den Moment, als sich Jana aus Kassel bei einer Querdenker-Demo mit Sophie Scholl verglichen hat. Was hast du dir dabei gedacht?

Ich habe mir gedacht, dass Jana wahrscheinlich nicht viel über Sophie Scholl weiß – und was der Widerstand damals für jede*n einzelne*n bedeutet hat. Und dass ich es, wenn ich von solchen Vorfällen höre, umso wichtiger finde, dass Geschichten wie die der „Weißen Rose“ die Menschen erreichen und immer wieder erzählt werden.

 

Wenn du Sophie Scholl persönlich treffen könntest, was würdest du ihr sagen?

Das ist eine schwierige Frage. Erstmal würde ich ihr wahrscheinlich erzählen, dass das, was die „Weiße Rose“ gemacht hat, bis heute Bedeutung hat. Und dann würde ich mich glaube ich einfach mit ihr über ihre Interessen unterhalten wollen. Sie hat ja viel gelesen, sich mit Philosophie beschäftigt und studiert. Das wären sicher spannende Gespräche.

 

Könnten wir heute auch wieder eine Sophie brauchen?

Menschen, die sich aus Prinzip für andere einsetzen, kann man in jeder Zeit und Gesellschaft brauchen, oder?